Museum Wolfhalden

Das Haus zur alten "Krone"
Hauseingang
Keller
Küche
Alt-Kronenstube
Lämmlerstübli
Toblerzimmer
Handwebstuhl
Firstkammer


Wolfhalden um 1840, von Johann Ulrich Fitzi


«Unser früntlich willig Dienst»

1445 - am 11. Juni, vor 560 Jahren, Sieg der Appenzeller an der Wolfhalden
Wolfhalden. Lokalhistorkiker Ernst Züst erinnert an eine später immer wieder umstrittene Schlacht.

Am 11. Brachmonat (Juni) gelangte ein Brief der Appenzeller nach Schwyz. Von dort kam die Meldung nach Luzern und weiter nach Bern. Das an Schwyz gerichtete Original ist nicht mehr vorhanden. Die Kopie aus Lu-zern befindet sich im Missivenbuch der Stadt Bern. Sie trägt den Vermerk, Hauptmann, Ammann und Landleute von Appenzell an die von Schwyz. Geben Bericht von ihrem Sieg an der Wolfhalden nahe bey Rheinegg. Der ganze Inhalt lautet:

«Unser früntlich willig Dienst und was wir eren liebs und guotz vermogen all zit vor. Besunders liebe Herren und getrüwe Fründ, wir fügen üch ze wüssen, das wir uff den Tag, Datum diss Briefs, üwer und unser Vyend mit der Hilff des Allmechtigen Gotz nider geleit hand 100 Mann und mer und haben auch gwunnen en Vennly, vier Ross und drei Gefangne. Sie hand uns auch 5 Mann erschlagen, etwa mangen gewundt. Und ist beschechen an der Wolfhalden nach by Rinegg. Bitten wir üwer Wisheit mit ernst gedrungenlich, sige Sach, das üwer und unser Vient, uns fürer überzüchen meinen, wen wir üch dan sagen oder entbieten, das ir uns dan unverzogenlich zuo Hilf koment. Das begeren wir mit gutem Willen mit Trüwen umb üche ze verdienen. Wir wölten auch all zit gern wüssen und vernemen üwern guten Fürgang. Gott behüet uns all. Geben am Fritag vor Mitten Brachot Anno ect. 45 to, versigelt mit Henrich Schedlers unsers Hoptmanns Insigel. Hoptman Ammann und Landlüt zu Appenzell. Den fürsichtigen, wisen, wolbeschaidnen, dem Aman, Hoptman und der Gemeind zu Swiz, wa die sind, unser besonders lieben Herren und gut Fründ.»

«Zwo Copien»

In einem Begleitschreiben Luzerns an Bern wird noch bemerkt. «Item wir schicken üch zwo Copien hier in verschlossen, eine von dem von Raron, und eine von den von Appotzell, in denen ir Handlung der Sachen wol merken werdent. Doch als der von Appotzell Brief wiset umb 100 Mann, ist ein Botze ze Stund hernach kommen und hat gseit, das ir Panner zu dem Schimpf (Schlachtfeld) kommen sei und haben morndes (am anderen Morgen), nach Datum ieres Briefs gefunden, das si über 200 Mann der Vienden erschlagen haben. Dis tund wir üch im besten kund. Datum 15. Juni anno 45to. Schultheis und Rat zu Luzern.» Das war die eine Sache, die andere war die, man ging davon aus, dass in Wolfhalden zweimal ein Sieg errungen wurde. Jener von 1445 und ein anderer im Jahre 1405. Um dieses Frage stritten sich die Historiker schon lange.

Drei Gedenkstätten

Als 1891 am Kantonalen Schüt- zenfest von Wolfhalden beschlos- sen wurde, drei Gedenkstätten zu errichten, nämlich eine in Speicher, eine zweite in Gais und die dritte in Wolfhalden, liess sich der St. Galler Professor Johannes Dierauer mit einer Streitschrift vernehmen. Dierauer glorifizierte die Schlacht am Hauptlinsberg bei St. Gallen. Die Schlacht vom Jahre 1405, in Wolfhalden, hatte bei Dierauer nicht stattgefun-den. Obwohl schon der Berner Chronist Justinger, als ein Zeitgenosse, solches beschrieb. Obwohl die Chronisten Johannes Stumpf (1548), Bartholome Anhorn, Speicher (1625), die Ap-penzeller Suterchronik (um 1630), Pfarrer Johannes Zuberbühler, Wolfhalden (1652), Bartholome Bischofberger, Trogen (1682), Gabriel Walser, Speicher (1740), Johannes von Müller (um 1790), Johann Kaspar Zellweger, Trogen (um 1830), Johann Heinrich Tobler, Wolfhalden (1831), Professor von Muralt, Lausanne (1874), in ihren Schriften davon aus- gegangen waren. Und obwohl es auch die geografische Lage Wolfhaldens möglich erscheinen liess. Vom Kampfplatz Wolfhalden waren es nur wenige 100 Meter, bis zum Heerweg in Thal, der von Altstätten nach Arbon führ-te.

«Kampf» um Schlacht am Stoss

Was Johannes Dierauer hier vertrat, war für die Denkmalkommission ein schwerer Schlag. Es kam noch schlimmer. Die St. Galler nahmen auch die Schlacht am Stoss für sich in Anspruch. 1895, zehn Jahre vor dem Termin, veranstalteten die Rheintaler in Altstätten ein grosses Festspiel. Sie waren wohl der Ansicht, dass der Sieg am Stoss auch ihre Sache gewesen sei. Schliesslich war Graf Rudolf II. von Werdenberg zu Rheineck ihr Landesherr gewesen. Und er und kein anderer, auch nicht Ueli Rottach, hatte die Appenzeller am Stoss zum Sieg geführt. Die Ausserrhodische Denkmalkommission gab noch nicht auf. Was bis 1905 weiter passierte, kann in einer kleinen Ausstellung im Museum Wolfhalden erfahren werden. Die ganze kriegerische Zeit aber wird im Buch «Geschichte der Gemeinde Kurzenberg», 1991 herausgegeben von den Gemeinden Heiden, Wolfhalden und Lutzenberg, ausführlich dargestellt.